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Brandschutzbegehungen

Was passiert bei einer Brandschutzprüfung?

08. Juli 20267 Min. Lesezeit
Was passiert bei einer Brandschutzprüfung?

Eine Brandschutzprüfung zeigt, ob die brandschutztechnischen und organisatorischen Anforderungen in einem Gebäude nicht nur geplant, sondern im Alltag tatsächlich umgesetzt werden. Für Betreiber ist sie ein wichtiges Instrument, um Risiken frühzeitig zu erkennen und die Erfüllung ihrer Pflichten nachvollziehbar zu dokumentieren.

In der Praxis wird dabei geprüft, ob Flucht- und Rettungswege frei sind, Brandschutztüren funktionieren, Feuerlöscher erreichbar und geprüft sind, technische Anlagen nachgewiesen werden können und die organisatorischen Abläufe im Brandfall bekannt sind.

Dieser Fachartikel erklärt, was bei einer Brandschutzprüfung passiert, welche Bereiche typischerweise kontrolliert werden, wie mit Mängeln umzugehen ist und warum eine vollständige Dokumentation entscheidend ist.

Was ist eine Brandschutzprüfung?

Der Begriff „Brandschutzprüfung“ wird in der Praxis unterschiedlich verwendet. Gemeint sein kann eine behördliche Brandschau, eine interne Brandschutzbegehung, eine Prüfung durch einen Brandschutzbeauftragten oder eine objektbezogene Kontrolle bestimmter Brandschutzeinrichtungen.

Gemeinsam ist diesen Prüfungen: Es wird überprüft, ob die vorhandenen Brandschutzmaßnahmen dem erforderlichen Zustand entsprechen und ob erkennbare Mängel bestehen.

Wichtig: Eine Brandschutzprüfung ersetzt nicht automatisch die vorgeschriebenen Prüfungen technischer Anlagen durch befähigte Personen, Sachkundige oder Sachverständige. Sie kann diese Nachweise jedoch kontrollieren und fehlende oder überfällige Prüfungen als Mangel erfassen.

Welches Ziel hat eine Brandschutzprüfung?

Eine Brandschutzprüfung soll nicht nur Mängel suchen. Sie soll einen nachvollziehbaren Überblick darüber schaffen, ob das Gebäude im laufenden Betrieb sicher organisiert ist.

Zentrale Ziele einer Brandschutzprüfung
🔎

Mängel erkennen

Abweichungen vom sicheren Zustand frühzeitig feststellen.

⚠️

Risiken bewerten

Feststellungen nach Dringlichkeit und Auswirkung priorisieren.

📄

Nachweise prüfen

Prüfprotokolle, Wartungen und Unterweisungen nachvollziehen.

Maßnahmen sichern

Mängel bis zur vollständigen Beseitigung verfolgen.

Rechtliche und technische Grundlagen

Welche Anforderungen im Einzelfall gelten, hängt vom Gebäude, der Nutzung und den behördlichen Vorgaben ab. Maßgeblich können insbesondere die Landesbauordnung, Sonderbauvorschriften, die Arbeitsstättenverordnung, technische Regeln, Baugenehmigung und Brandschutzkonzept sein.

GrundlageBedeutung für die Prüfung
Landesbauordnung / MusterbauordnungAllgemeine bauordnungsrechtliche Anforderungen an sichere Gebäude.
SonderbauvorschriftenZusätzliche Anforderungen je nach Gebäudeart, etwa Pflege, Verkauf, Versammlung oder Beherbergung.
ArbeitsstättenverordnungGrundpflichten zur Sicherheit in Arbeitsstätten.
ASR A2.2Maßnahmen gegen Brände, Feuerlöscheinrichtungen und organisatorischer Brandschutz.
ASR A2.3Fluchtwege, Notausgänge sowie Flucht- und Rettungspläne.
DIN 14096Brandschutzordnung und Verhalten im Brandfall.
DIN 14675Brandmeldeanlagen, soweit im Objekt relevant.
DIN 14406-4Instandhaltung tragbarer Feuerlöscher.
Baugenehmigung und BrandschutzkonzeptObjektspezifische Anforderungen, die für die Bewertung besonders wichtig sind.

Wer führt eine Brandschutzprüfung durch?

Je nach Anlass und Objekt kann eine Brandschutzprüfung durch unterschiedliche Personen oder Stellen erfolgen. Wichtig ist, dass die prüfende Person fachkundig ist und die Ergebnisse nachvollziehbar dokumentiert werden.

Interne oder beauftragte Prüfung

  • Betreiber oder Objektverantwortliche
  • Brandschutzbeauftragte
  • Facility Management
  • externe Brandschutzdienstleister

Behördliche oder formelle Prüfung

  • Bauaufsicht
  • Brandschutzdienststellen
  • Feuerwehr im Rahmen von Brandschauen
  • Sachverständige je nach Prüfpflicht

Vorbereitung: Welche Unterlagen werden benötigt?

Eine gute Brandschutzprüfung beginnt mit den richtigen Unterlagen. Ohne Objektunterlagen kann zwar eine Sichtprüfung erfolgen, die fachliche Bewertung bleibt jedoch oft unvollständig.

Baugenehmigung und Nutzungsbeschreibung Brandschutzkonzept oder Brandschutznachweis Flucht- und Rettungspläne Brandschutzordnung nach DIN 14096 Feuerwehrpläne, soweit vorhanden Prüf- und Wartungsnachweise technischer Anlagen Unterweisungsnachweise und Evakuierungsübungen alte Begehungsberichte und offene Maßnahmen

Ablauf einer Brandschutzprüfung

Der genaue Ablauf hängt vom Objekt und vom Prüfauftrag ab. In der Praxis folgt eine Brandschutzprüfung häufig einem ähnlichen Muster.

Schritt-für-Schritt-Ablauf
1
Unterlagen sichten
2
Objekt begehen
3
Mängel erfassen
4
Risiko bewerten
5
Maßnahmen festlegen
6
Bericht erstellen

1. Abstimmung und Prüfziel

Zunächst wird geklärt, warum geprüft wird: regelmäßige Begehung, behördliche Vorbereitung, interne Kontrolle, Prüfung nach Umbau oder Nachverfolgung offener Mängel.

2. Sichtung der Unterlagen

Die vorhandenen Unterlagen werden mit dem tatsächlichen Objekt abgeglichen. Besonders wichtig sind Brandschutzkonzept, Baugenehmigung, Pläne und Prüfnachweise.

3. Begehung vor Ort

Im Gebäude werden brandschutzrelevante Bereiche kontrolliert. Feststellungen werden mit Ort, Beschreibung und möglichst Foto dokumentiert.

4. Bewertung der Feststellungen

Nicht jeder Mangel ist gleich kritisch. Deshalb sollten Feststellungen nach Risiko, Dringlichkeit und möglicher Auswirkung bewertet werden.

5. Maßnahmen und Fristen

Für jeden relevanten Mangel sollten Maßnahmen, Verantwortliche und Fristen festgelegt werden.

6. Bericht und Nachverfolgung

Am Ende steht ein Bericht. Entscheidend ist jedoch die anschließende Nachverfolgung bis zur nachweisbaren Beseitigung.

Welche Anforderungen werden geprüft?

Eine Brandschutzprüfung betrachtet das Objekt ganzheitlich. Entscheidend ist nicht eine allgemeine Standardliste, sondern die objektbezogene Checkliste auf Grundlage der vorhandenen Unterlagen und der tatsächlichen Nutzung.

🚪

Flucht- und Rettungswege

Freihaltung, Nutzbarkeit, Kennzeichnung, Notausgänge und Treppenräume.

zentral
🔥

Brandschutztüren und Rauchschutztüren

Selbstschließung, Verkeilung, Beschädigungen, Dichtungen und Feststellanlagen.

häufige Mängel
🧯

Feuerlöscher und Löschmittel

Standorte, Zugänglichkeit, Prüffristen, Löschmittelart und Kennzeichnung.

sichtbar
🚨

Brandmelde- und Alarmierungsanlagen

Nachweise, Melderbereiche, Alarmierungswege und organisatorische Abläufe.

technisch
💡

Sicherheitsbeleuchtung

Leuchten, Funktionsnachweise, Fluchtwegorientierung und Wartung.

Nachweis
🧱

Brandabschnitte und Abschottungen

Wände, Decken, Kabeldurchführungen, Rohrabschottungen und sichtbare Veränderungen.

baulich
📄

Dokumentation und Unterweisungen

Brandschutzordnung, Prüfprotokolle, Wartungsnachweise, Unterweisungen und Evakuierungsübungen.

Organisation
📦

Brandlasten und Nutzung

Lagerung, Möblierung, Technikräume, Flure und Nutzungsänderungen.

Praxis

Typische Mängel bei einer Brandschutzprüfung

Viele Mängel treten immer wieder auf. Besonders häufig sind organisatorische und dokumentarische Schwachstellen.

Häufige Feststellungen
📦

Zugestellte Fluchtwege

Möbel, Rollatoren, Kartons oder Lagergut behindern Rettungswege.

🚪

Verkeilte Brandschutztüren

Brandabschnitte können ihre Funktion nicht erfüllen.

🧯

Überfällige Feuerlöscher

Prüfplaketten sind abgelaufen oder Nachweise fehlen.

💡

Defekte Sicherheitsbeleuchtung

Fluchtwege sind bei Stromausfall nicht sicher erkennbar.

📄

Veraltete Pläne

Flucht- und Rettungspläne entsprechen nicht dem aktuellen Gebäudezustand.

🔁

Keine Nachverfolgung

Festgestellte Mängel werden nicht bis zum Abschluss kontrolliert.

Was passiert nach der Brandschutzprüfung?

Nach der Prüfung sollten die Ergebnisse ausgewertet und in einen nachvollziehbaren Maßnahmenprozess überführt werden. Ein Bericht allein reicht nicht aus, wenn Mängel anschließend nicht bearbeitet werden.

Der Prüfbericht enthält typischerweise

  • Objektdaten und Prüfdatum,
  • geprüfte Bereiche,
  • festgestellte Mängel,
  • Fotos und Standortangaben,
  • Risikobewertung,
  • empfohlene Maßnahmen.

Die Nachverfolgung umfasst

  • Verantwortliche Personen,
  • Fristen,
  • Status der Umsetzung,
  • Nachweise der Beseitigung,
  • Prüfung der Wirksamkeit,
  • Abschlussdokumentation.
Wichtig: Ein Mangel ist nicht erledigt, nur weil er im Bericht steht. Er ist erst abgeschlossen, wenn die Maßnahme umgesetzt, geprüft und nachvollziehbar dokumentiert wurde.

Wie unterstützt OBERIXA?

OBERIXA unterstützt Betreiber dabei, Brandschutzprüfungen und Brandschutzbegehungen über objektbezogene Checklisten digital vorzubereiten, durchzuführen und nachzuverfolgen.

Aus Baugenehmigung, Brandschutzkonzept, Plänen und weiteren Objektunterlagen werden objektbezogene Anforderungen in eine digitale Checkliste überführt. Feststellungen werden vor Ort mit Foto, Standort, Risikobewertung, Verantwortlichkeit und Frist dokumentiert. Anschließend können Mängel bis zur vollständigen Beseitigung verfolgt und Berichte nachvollziehbar exportiert werden.

OBERIXA Checkliste mit objektbezogener Soll-Anforderung, Quelle, Prüfmethode und Bewertung
OBERIXA Praxisbeispiel: Die Prüfung erfolgt nicht nach einer allgemeinen Bereichsliste, sondern anhand einer objektbezogenen Checkliste. Jede Anforderung enthält Soll-Zustand, Quelle, Ort, Prüfmethode und Bewertung.
Digitaler Prüfprozess mit OBERIXA
1
Objektunterlagen auswerten
2
Objektbezogene Checkliste
3
Prüfpunkte bewerten
4
Mängel dokumentieren
5
Maßnahmen verfolgen
6
Bericht exportieren

Checkliste: Vorbereitung auf eine Brandschutzprüfung

Mit der folgenden Checkliste können Betreiber eine Brandschutzprüfung strukturiert vorbereiten.

Brandschutzkonzept und Baugenehmigung bereithalten Flucht- und Rettungspläne prüfen Brandschutzordnung aktualisieren Prüf- und Wartungsnachweise sammeln Feuerlöscherstandorte kontrollieren Fluchtwege und Notausgänge freihalten Brandschutztüren auf Funktion prüfen Sicherheitsbeleuchtung und Kennzeichnung kontrollieren Unterweisungen und Evakuierungsübungen dokumentieren Offene Mängel aus früheren Begehungen prüfen Verantwortliche und Fristen für neue Mängel festlegen

Häufige Fragen zur Brandschutzprüfung

Was wird bei einer Brandschutzprüfung geprüft?

Geprüft werden unter anderem Flucht- und Rettungswege, Brandschutztüren, Feuerlöscher, Sicherheitsbeleuchtung, Brandmeldeanlagen, Abschottungen, Pläne, Unterweisungen und Dokumentationen.

Ist eine Brandschutzprüfung gesetzlich vorgeschrieben?

Das hängt vom Objekt, der Nutzung und den jeweiligen Vorgaben ab. Anforderungen können sich aus Bauordnungsrecht, Arbeitsstättenrecht, Sonderbauvorschriften, Brandschutzkonzepten oder behördlichen Auflagen ergeben.

Wie oft sollte eine Brandschutzprüfung stattfinden?

Eine pauschale Frist gibt es nicht für jedes Objekt. In vielen Gebäuden sind regelmäßige Begehungen sinnvoll, häufig mindestens jährlich oder bei erhöhtem Risiko häufiger.

Wer darf eine Brandschutzprüfung durchführen?

Je nach Prüfziel können Betreiber, Brandschutzbeauftragte, fachkundige Dienstleister, Sachverständige oder Behörden beteiligt sein. Für bestimmte technische Anlagen gelten gesonderte Anforderungen an die prüfende Person.

Was passiert, wenn Mängel gefunden werden?

Mängel sollten dokumentiert, bewertet, priorisiert und mit Maßnahmen, Verantwortlichen und Fristen versehen werden. Die Beseitigung sollte anschließend nachverfolgt und nachgewiesen werden.

Reicht eine mündliche Besprechung nach der Prüfung?

Nein. Aus Betreibersicht ist eine schriftliche und nachvollziehbare Dokumentation wichtig, damit Feststellungen und Maßnahmen später nachgewiesen werden können.

Welche Unterlagen sind wichtig?

Wichtig sind unter anderem Baugenehmigung, Brandschutzkonzept, Flucht- und Rettungspläne, Brandschutzordnung, Prüfprotokolle, Wartungsnachweise und Unterweisungsnachweise.

Was ist der Unterschied zwischen Brandschutzprüfung und Brandschutzbegehung?

Im Alltag werden die Begriffe häufig ähnlich verwendet. Eine Brandschutzbegehung ist meist eine regelmäßige objektbezogene Kontrolle vor Ort. Eine Brandschutzprüfung kann je nach Kontext auch formeller oder anlassbezogen sein.

Fazit

Bei einer Brandschutzprüfung wird überprüft, ob die vorhandenen Brandschutzmaßnahmen im Gebäude wirksam, vollständig und nachvollziehbar dokumentiert sind. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Organisation, Nutzung und Nachweise.

Für Betreiber ist entscheidend, dass festgestellte Mängel nicht im Bericht stehen bleiben, sondern systematisch bewertet, zugewiesen, fristgerecht bearbeitet und nachweisbar abgeschlossen werden.

Eine digitale Dokumentation unterstützt dabei, Brandschutzprüfungen transparenter, strukturierter und nachvollziehbarer zu organisieren.

Autor

TÜV-zertifizierter Brandschutzbeauftragter

Dieser Beitrag wurde von einem TÜV-zertifizierten Brandschutzbeauftragten erstellt und vermittelt praxisnahes Fachwissen zu Betreiberpflichten, Brandschutzbegehungen, Dokumentation und der digitalen Mängelverfolgung im vorbeugenden Brandschutz.

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